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Der perfekte Urlaubsort

Lesedauer: ca. 14 Minuten

Um Tela haben wir einen großen Bogen gemacht, denn über diese Stadt habe ich nichts Gutes gelesen. Nach Einbruch der Dunkelheit soll man sich auf keinen Fall auf den Straßen aufhalten und auch tagsüber sind große Teile der Stadt aus Sicherheitsgründen zu meiden. Unser Auswärtiges Amt erwähnt Tela explizit in der Liste der „besonders gefährlichen“ Gebiete.
Die Stadt wird als heruntergekommen beschrieben, ohne nennenswerte Sehenswürdigkeiten - also warum sollten wir diese Stadt besuchen?

Aber ein Taxifahrer, mit dem wir uns während einer Fahrt unterhalten haben, hält die Sicherheitsbedenken für übertrieben und erzählt, dass der zentrale Platz in Tela wunderschön ist, wenn er nachts weihnachtlich beleuchtet ist.

Anlass genug also, dass wir uns selbst ein Bild machen.

Parque Central

Der zentrale Platz Telas präsentiert sich uns wie der zentrale Platz in vielen anderen mittelamerikanischen Städten: Weder besonders schön (das wurde uns ja nur für die Nacht versprochen) noch besonders hässlich.

Allerdings muss ich die Weihnachtsdeko hier erstmal aufstellen, bevor ich sie fotografieren kann.

Das Stadtzentrum

Auch das Stadtzentrum präsentiert sich uns wie das vieler anderer Städte, also ebenfalls weder besonders schön noch besonders hässlich.

Aber wenn man sich darauf einlässt, gibt es hier durchaus einige schöne und/oder interessante Ecken zu entdecken.

Und, was definitiv einen Stadtspaziergang wert ist, sind die Graffiti und Bemalungen, die an wirklich jeder Straßenecke zu finden sind.

Also, dass sich ein Besuch dieser Stadt nicht lohnen würde, das kann ich so nicht bestätigen.

Und ein weiteres Highlight erwartet uns nur zwei Blöcke vom zentralen Platz entfernt.

Die Strandpromenade

Direkt am Stadtzentum befindet sich eine autofreie Strandpromenade mit einem wirklich schönen und gepflegten Strand davor.
Damit hätten wir definitiv nicht gerechnet.

Nachdem wir die Tage zuvor in Tornabé verbracht haben, wo aufgrund nicht vorhandener Touristen nichts, aber auch gar nichts geöffnet war, sind wir nun froh, dass die Situation hier eine andere ist: Auf den rund 250 Metern der Promenade befinden sich etwa zehn Bars und Restaurants, und die Tatsache, dass zumindest bei jeder zweiten oder dritten Lokalität ein Tisch belegt ist, scheint auszureichen, um hier alles in Betrieb zu halten.

Also so gut wie menschenleer, aber trotzdem eine perfekte Infrastruktur, was will man mehr. Hier möchten wir uns ein Zimmer suchen, wohl wissend, dass es vermutlich etwas teurer werden wird.

Das Luxus-Hotelzimmer

Und tatsächlich, das erste Hotel, bei dem wir nachfragen, bietet uns stark modrig riechende Zimmer an, die zwar keinerlei Ausblick haben, aber dafür einen hohen Preis.

Aber bereits beim zweiten Hotel werden uns einige recht ansprechende Zimmer gezeigt. Highlight ist hierbei das sich im obersten Stock befindende größte Zimmer des Hotels, mit Fenstern an zwei Seiten und einem ums Eck gehenden Balkon mit Blick über den Strand und aufs Meer.

Da wir, wie so häufig auf dieser Reise, die einzigen Gäste sind, haben wir nicht nur freie Zimmerwahl, sondern auch etwas Verhandlungsspielraum. Für umgerechnet 75 Euro pro Nacht bekommen wir dieses Luxuszimmer.
Das Zimmer zählt damit zu den teuersten unserer Honduras-Reise, aber dafür wird nur für uns der Hotelbetrieb aufrecht erhalten, inklusive 24-Stunden-Rezeption. Und sogar unsere Wäsche wird für uns kostenlos gewaschen. Also insgesamt betrachtet ein wahres Schnäppchen.

Das Hotel scheint auf internationale Gäste vorbereitet zu sein, zumindest gibt es das übliche Handtücher-Schild im Badezimmer sogar auf deutsch.

Das einzige Problem unseres Luxuszimmers ist, dass fast immer während des Duschens plötzlich das Wasser ausgeht. Dann muss man die drei Stockwerke zur Rezeption runter gehen, wo die Klospülung der Personaltoilette betätigt wird, um den Wasserdruck zu prüfen, und kurz darauf haben wir auch wieder Wasser in der Dusche.
Mir ist zwar nicht ganz klar, wie man durch das Leeren eines ja bereits gefüllten Spülkastens den aktuellen Wasserdruck prüfen kann, geschweige denn, wie dadurch bewirkt wird, dass danach drei Stockwerke höher wieder Wasser aus dem Duschkopf kommt, aber egal, wichtig ist nur, dass es funktioniert.

Urlaub

Ein Luxuszimmer direkt an einem Bilderbuchstrand, das Meer mit klasklarem angenehm warmen Wasser, dazu eine hervorragende Infrastruktur - entgegen aller Erwartungen scheint Tela der perfekte Urlaubsort zu sein.

Wir bestellen uns eine Michelada und genießen unseren ersten Urlaubstag hier.

In Laufe der Zeit werden wir noch in anderen Bars die Micheladas ausprobieren, die mitunter in recht interessanten Gläsern serviert werden.

Wie meistens in Honduras läuft auch hier überall angenehme lateinamerikanische Musik, meist bekannte Salsa- und Bachata-Klassiker. Perfektes Urlaubsfeeling also.

Touristen, die vom Himmel fallen

Wir sitzen am Strand auf einem Baumstamm und unterhalten uns, als wir plötzlich auf Englisch angesprochen werden. Das alleine ist schon verwunderlich genug, denn eigentlich sind wir die einzigen ausländischen Touristen in dieser Stadt.

Aber noch verblüffter sind wir über die Frage, die wir gestellt bekommen:
Mit welcher Währung wird hier bezahlt?

Auch die weiteren Fragen deuten darauf hin, dass diese kleine Reisegruppe keinerlei Ahnung von den Gegebenheiten hier in Honduras hat.

Tela besitzt keinen Flughafen und ist ein gutes Stück von jeder Grenze entfernt, wir können uns also nicht so recht erklären, wie jemand hier in Tela vor uns stehen kann, ohne bereits mit all dem konfrontiert worden zu sein, was diese Leute uns fragen. Einmal abgesehen davon, dass man sich normalerweise vor einer Reise wenigstens ein bisschen über das Reiseziel informiert.
Diese Touristen müssen also vom Himmel gefallen sein, wäre ein naheliegender Gedanke.

Aber ganz so es dann doch nicht: Sie stammen aus Indien, erfahren wir, und sind Teil der Besatzung des großen Frachtschiffs, das in Sichtweite des Strands vor Anker liegt.

Aha.

Leere Straßen

Nach dem Abendessen wollen wir uns den angeblich ja so wunderschön weihnachtlich beleuchteten Platz ansehen.

Aber kaum dass wir unsere Strandpromenade verlassen, sind wir ziemlich überrascht: Alles ist geschlossen, niemand ist mehr auf der Straße, es ist menschenleer.

Es ist übrigens nicht etwa drei Uhr nachts, wie man vielleicht vermuten könnte, sondern noch nicht einmal acht Uhr abends.

Stimmt es also doch, dass es hier so gefährlich ist, dass man nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr auf den Straßen unterwegs sein sollte?
Oder ist niemand unterwegs, weil die Geschäfte geschlossen sind und es somit schlichtweg keinen Grund mehr gibt, hier unterwegs zu sein?

Wie auch immer, es gibt für uns keinen Anlass, weiter zu gehen: Denn bereits von hier können wir erkennen, dass der Platz gar nicht beleuchtet ist. Was hat uns der Taxifahrer denn da erzählt?

Ein paar Tage später...

Es dauert etwas mehr als eine Woche, dann kommen wir erneut nach Tela. Und abends schauen wir natürlich nach, wie es jetzt auf dem zentralen Platz aussieht.

Und tatsächlich, jetzt ist er weihnachtlich beleuchtet!
Zudem gibt es ein paar Verkaufsstände, die alle das gleiche verkaufen, nämlich Nieve. Das ist wörtlich übersetzt Schnee, was ja thematisch gut passen würde, hier in Honduras ist das aber eine überall auf der Straße angebotene Süßspeise: Geraspeltes Eis mit süßem Sirup.

Einer der Schneeverkäufer bespielt den Platz mit lauter Musik.

Es fehlen eigentlich nur noch Menschen, die diesen Platz besuchen.

Noch können wir nicht wissen, dass wir noch ganz viel Zeit haben werden, uns diesen weihnachtlichen Platz anzuschauen: Mit ein paar Tagen Abstand werden wir beide krank. Nichts Schlimmes, aber wir können erstmal nicht weiterreisen.

Also bleiben wir in dieser Stadt, die wir eigentlich gar nicht besuchen wollten.

Land:Honduras
Ort:Tela
Reisedatum:21.11.2025 - 23.11.2025
Autor:Manuel Sterk
Veröffentlicht:05.12.2025
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Isabella Scholz
Es freut mich total, von euren Reiseberichten zu lesen, sie vermitteln so viel Freude und Abenteuerlust! Ich wünsche euch weiterhin eine aufregende und spannende Reise, voller unvergesslicher Eindrücke und schöner Momente. Gute Weiterreise!
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