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Panama
Panama-Stadt

Taschendiebe und Musiker

Lesedauer: ca. 6 Minuten

Wir sind gerade dabei, unseren Hotelpool inmitten der Hochhäuser von Panama-Stadt zu verlassen, um die unvermeidliche Rückreise nach Deutschland anzutreten, da bekommen wir die Nachricht aufs Handy, dass sich unser Rückflug um voraussichtlich zwei Stunden verspäten wird.

Somit haben wir etwas Zeit für einen kleinen Stadtspaziergang gewonnen. Da wir genug von Hochhäusern haben, fahren wir hierfür mit der Metro zur Station „5 de Mayo“ in der Nähe der Altstadt.

Taschendiebe

Wir befinden uns gerade auf der Fußgängerstraße zwischen der Metro-Station und der Altstadt, als zwei Taschendiebe entdecken, dass Nadine einen Brustbeutel umhängen hat, der eine lohnende Beute sein könnte.
Der Plan ist nun, dass der eine an ihrer rechten Seite eng vorbei geht und dabei den Klickverschluss des Brustbeutels öffnet, während der andere links vorbei geht und ihr ihn dann wegreißt.

So weit, so gut. Das einzige Problem ist, dass heute, am Sonntag, hier nicht allzu viele Menschen unterwegs sind. Somit bekommt Nadine mit, gerade noch rechtzeitig, wie jemand vorhat, sich zwischen uns zu drängeln. Auf Deutsch schreit sie ihn an, er solle gefälligst Abstand halten. Worauf der Dieb irgendwas Unverständliches auf Spanisch zurückbrüllt.

Und nun sind alle Beteiligten mit dieser Situation unzufrieden: Nadine kann es nicht fassen, dass sie während der letzten Stunde unseres Aufenthalts in Panama beklaut werden sollte, und die beiden Diebe sind verärgert, dass das mit dem Brustbeutel nicht geklappt hat und sie somit warten müssen, bis sich vielleicht irgendwann der nächste Tourist hierher verirrt.

Der Ladendieb Leo

Obwohl Panama für lateinamerikanische Verhältnisse als recht sicheres Reiseland gilt, sind Diebstähle natürlich trotzdem keine Seltenheit. Und so wurden wir beispielsweise in Bocas del Toro angewiesen, die Sattel unserer ausgeliehenen Fahrräder bitte immer abzumontieren und mit ins Zimmer zu nehmen, ansonsten würden sie, wie so vieles andere auch, irgendwann spurlos verschwinden.

In den kleinen Ortschaften hingegen sind Diebe offensichtlich sogar namentlich bekannt: An einem Supermarkt in Pedasí hängt am Eingang ein Zettel, der explizit dem Dieb Leo Ladenverbot erteilt.

Jedenfalls, wir setzen nach diesem Zwischenfall unseren Spaziergang Richtung Altstadt fort. Nadine sogar inklusive ihres Brustbeutels.

Die Altstadt

Die Altstadt, das Casco Viejo, ist größtenteils wunderschön herausgeputzt, überall gibt es Boutique-Hotels, überteuerte Cafés und Souvenir-Läden. Den meisten Touristen gefällt es hier offensichtlich sehr gut, uns aber irgendwie nicht so.
Am Rand der Altstadt sind aber einige Ecken noch nicht so herausgeputzt und touristisch, und hier drehen wir ein paar Runden.

Salsa-Livemusik

An der Seite eines Hauses sieht man noch die Wand des Nachbarhauses, aber das Nachbarhaus selbst ist abgerissen worden. Oder in sich zusammengefallen, wer weiß. Jedenfalls kommt aus der daraus entstanden Lücke laute Salsa-Livemusik.
Als wir über die Mauer spicken, entdeckt uns ein älterer Mann und winkt uns herein.

Auf einer Bühne unter einem schattenspendenden Holzdach übt eine Salsa-Band, die aus Männern überwiegend fortgeschrittenen Alters besteht. Einer von ihnen ist ganz offensichtlich an Parkinson erkrankt.
Wir werden herzlich begrüßt und eingeladen, der Bandprobe beizuwohnen.

Im Laufe der Zeit kommen noch ein paar Nachbarn hinzu, etwas später dann noch eine mexikanische Touristin. Und in dieser Gesellschaft verbringen wir nun unsere restliche durch die Flugverspätung gewonnene Zeit in Panama.

Die nagelneue Metro

Aber irgendwann müssen wir dann doch los. Wir gehen zurück zur Metro, diesmal ohne von Taschendieben überrascht zu werden, und fahren zum Hotel, um dort unsere Rücksäcke abzuholen. Danach gehen wir erneut zur Metro und machen uns auf den Weg zum Flughafen.

Während unserer Reise durch Panama haben wir uns immer wieder gewundert, dass wir in den diversen öffentlichen Verkehrsmitteln keinem einzigen anderen ausländischen Touristen begegnen. So auch hier in der Metro.
Wie bewegen sich andere in dem Land fort? Nur in Taxis oder Touristen-Shuttles? Oder nur in einem eigenen Mietwagen? Vielleicht sind alle anderen aber auch nur zu anderen Zeiten unterwegs als wir. Wir wissen es nicht.

Was jedoch ziemlich offensichtlich ist, ist, warum niemand mit der Metro zum Flughafen fährt. Denn der Flughafen ist laut Reiseführer und laut Informationen im Internet (inklusive dem offiziellen Metro-Panama-Netzplan) gar nicht an die Metro angebunden.

Allerdings sind alle diese Informationen falsch.
Zumindest behaupte ich das.

Ich habe mir nämlich angewöhnt, regelmäßig lokale Tageszeitungen des jeweiligen Reiselandes online zu lesen. Und dadurch habe ich mitbekommen, dass vor ein paar Tagen feierlich ein neuer Zweig der Metro-Linie 2 eingeweiht wurde, der die vorhandene Strecke mit dem Flughafen verbindet. Ob das wirklich so ist, werden wir gleich sehen.

Und tatsächlich: An der Metro-Station Corredor Sur befindet sich zwischen den beiden Gleisen der Linie 2 ein weiteres Gleis, über das nun Bahnen zum Flughafen fahren. Das weiß nur niemand.

Und so fahren wir in einem nagelneuen leeren Zug zur nagelneuen leeren Metro-Station Flughafen.

Auf Wiedersehen, Panama!

Land:Panama
Ort:Panama-Stadt
Reisedatum:01.04.2023 - 02.04.2023
Autor:Manuel Sterk
Veröffentlicht:12.04.2023
Leser bisher:70

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Cornelia Sommer-Zabel
Hallo Ihr Weltenbummler, dann gilt es nun, Euch einen sicheren und chaosfreien Rückflug und eine gute Heimkehr zu wünschen! Liebe Grüße
Krisi
Save travels 😘
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