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Peru
Nazca

Quer über die Nazca-Linien

Lesedauer: ca. 5 Minuten

Vor etwa zweieinhalbtausend Jahren wurden Figuren und geometrische Formen von enormer Größe in die Wüste gescharrt. Grund genug, in ein klappriges Kleinflugzeug zu steigen, um sich das alles von oben anzusehen. Ob das eine gute Idee ist?

Die Frau, die in unserer Unterkunft das Frühstück vorbereitet, warnt uns: Vor dem Flug sollten wir nichts zu uns nehmen, nicht einmal Wasser. Wie ein Spielzeug würde das Flugzeug hin und her und hoch und runter gehen, und alles, was im Magen drin ist, kommt dabei unweigerlich wieder raus. Also besser nach dem Flug frühstücken.

Das Auswärtige Amt rät bei den Flügen zur Vorsicht, wobei unklar bleibt, wie diese Vorsicht aussehen könnte. Mit dem technischen Zustand der Flugzeuge und der Qualifikation der Piloten soll es demzufolge nicht zum Besten stehen. In der Vergangenheit kam es zu mehreren Zwischenfällen, darunter drei Abstürze mit Todesfolge.

Und nun sitze ich in so einem Flugzeug. Es ist so klein, dass es mich unweigerlich an eine Kapsel eines Fahrgeschäfts auf dem Cannstatter Wasen erinnert. Und wenn die Frühstücksfrau Recht hat, dann erwartet mich ja auch so etwas wie eine Achterbahnfahrt. Jedenfalls bin ich mir jetzt sicher: Das hier ist definitiv keine gute Idee.

Aber schon geht es los. Es schaukelt etwas, dann hebt das Flugzeug ab. Wir fliegen ein gutes Stück über die Wüste. Und die ist vollgekritzelt mit Linien, ob natürlichen Ursprungs oder von Menschenhand gemacht, das ist für mich zunächst nicht ersichtlich.

Aber dann tauchen schon die ersten Figuren auf.

Bis zu dreihundert Meter lang sind die Figuren, dazu kommen unzählige geometrische Formen. Hunderte davon. Über den Hintergrund und die Entstehung gibt es die abenteuerlichsten Hypothesen.

Und ein wenig merkwürdig ist es tatsächlich, dass jemand vor zweieinhalbtausend Jahren einen knapp dreihundert Meter großen Vogel in die Wüste gescharrt hat, den man eigentlich nur von der Luft aus erkennen kann. Und Flugzeuge gab es meines Wissens vor zweieinhalbtausend Jahren noch nicht, so dass es schleierhaft ist, wer diesen Vogel eigentlich zu sehen bekommen sollte. Götter, das ist natürlich der naheliegendste Gedanke.
Die unglaubliche Dimension der Figuren wird erst wirklich erlebbar, als wir uns der Panamericana nähern. Diese Straße wurde quer über einen Vogel gebaut, sozusagen. Immerhin hat man mittlerweile einen Aussichtsturm dort angebracht, so dass man sich ansehen kann, durch was man da gerade durchgefahren ist.

Einige Zeit später kommen wir bei unserer Weiterreise zufällig mit dem Bus hier vorbei. Wir können den zerteilten Vogel also auch noch von unten sehen. Oder zumindest erahnen.

Vor einem Jahr wollte ein Lastwagenfahrer auf der Panamericana wenden und hat dabei eine hundert Meter lange Spur über mehrere der Linien gezogen. Einige Jahre zuvor haben Greenpeace-Aktivisten während einer Protestaktion Fußspuren hinterlassen. Aber die zweieinhalbtausend Jahre davor haben die Nazca-Linien erstaunlich gut überstanden.

Gleich sehen wir links eine Spinne. Rechts einen Wal. Gleich kommt ein Affe. Und dann ein Hund. Der Copilot wird nicht müde, unsere Aufmerksamkeit auf die richtigen Stellen in der Wüste zu lenken.

Mitunter drehen wir um einzelne Figuren eine Extra-Schleife. Zugegeben, ich habe schon angenehmere Flüge erlebt.

Aber selten faszinierendere.

Nach der Landung gehen wir erstmal frühstücken.

Land:Peru
Ort:Nazca
Reisedatum:21.01.2019
Autor:Manuel Sterk
Veröffentlicht:23.01.2019
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