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Honduras
Amapala (Isla del Tigre)

Die etwas andere Tropeninsel

Lesedauer: ca. 13 Minuten

Am Ende der zwar nicht weiten, aber dennoch langen Reise kommen wir endlich auf der Isla del Tigre an.

Diese Insel besteht aus einem inaktiven, dicht bewaldeten Vulkan, der von einer rund zwanzig Kilometer langen Pflastersteinstraße umrundet wird, an der sich ausgehend vom Hauptort Amapala kleinere Siedlungen und unzählige Strände aneinanderreihen.

Ein tropisches Inselparadies, eigentlich wie gemacht für den Tourismus.

Eigentlich.

Amapala

Der Hauptort Amapala hat rein gar nichts mit einem touristischen Ort gemein, den man hier erwarten würde.

Hier gibt es nichts. Keine schicken Restaurants, keine Cocktail-Bars, keine Promenade mit Terrassen-Cafés, nichts, was irgendwie touristisch sein könnte.

Dafür gibt es ein paar Straßenstände, an denen abhängig von der Tageszeit günstiges und gutes Essen angeboten wird.

Schmuckstück von Amapala ist die Mole, und es wirkt so, als ob man diese so gut es geht schonen möchte, denn Boote scheinen an dieser Mole nicht anzulegen.

Wer sich das Bild von Amapala mit der Mole davor und dem Vulkan dahinter nicht recht vorstellen kann, muss nur einen Blick auf den 2-Lempira-Geldschein werfen:

Direkt an der Mole gibt es einen schön gestalteten Platz, dessen einziges Manko ist, dass die Gebäude dahinter langsam aber sicher verfallen.

Von dort aus führt eine vermeintlich aufgehübschte Straße hinauf zum zentralen Platz des Orts.

Bei einem Stadtspaziergang versprüht Amapala jedenfalls einen ganz besonderen Charme.

Was wir hier eigentlich wollen?
Zugegeben, das fragen wir uns zunächst auch.

Allerdings dauert es nicht einmal einen Tag, und wir haben uns in diesem Ort, in dem es definitiv nichts zu tun gibt, eingelebt.

Die Dracula-Unterkunft

Aber zunächst, als wir in Amapala ankommen, müssen wir noch eine Unterkunft suchen. Es ist schon fast dunkel, allzu viel Zeit haben wir also nicht. In Google Maps sind ein paar Hotels eingezeichnet, aber die meisten existieren nicht bzw. nicht mehr oder sie sind geschlossen.

Immerhin, bei einer Unterkunft wird auf unser Klopfen hin geöffnet und ein mürrischer Mann zeigt uns ein Zimmer. Trotz der späten Stunde und des bisherigen Misserfolgs unserer Unterkunftssuche lehnen wir aber ab und suchen weiter.

Und dann stehen wir vor einem Hotel, bei dem Nadine sich fragt, ob hier Graf Dracula wohnen würde.

Wir gehen durch das Tor.

Im Inneren werden wir von Karaoke-Gesang empfangen.

Der Sänger ist derjenige, der sich hier in dem Hotel um alles kümmert, erfahren wir, und er muss nur noch schnell dieses Lied fertig üben.

Wir schauen uns derweil etwas um. Nadine hat mit Dracula womöglich nicht ganz Unrecht.

Wir bekommen das Zimmer im Turm angeboten. Und nehmen es.

Noch immer ist uns nicht ganz klar, was das ist, wohin es uns hier verschlagen hat.

Wir sind die einzigen Gäste. Auch der Sänger verlässt etwas später das Hotel. Wir sind nun alleine mit diesen merkwürdigen Wesen, die das Gebäude bevölkern.

Nadine verschließt alle verfügbaren Riegel unserer Turmzimmertür.

Aber nach ein paar Tagen haben wir uns gut an alles gewöhnt. Bereits ab dem zweiten Tag übernehmen wir den Job, nachts den Rundgang durch das Gebäude zu machen, um überall die Lichter auszuschalten.

Diese anfangs etwas befremdlichen Wesen tun uns nichts und wir tun ihnen nichts. Also genießen wir den schönen Ausblick von den diversen Türmen und Terrassen und genießen die Ruhe, wenn wir hier alleine sind.

Die Strände

Nachdem sowohl der Ort als auch unsere Unterkunft nicht unbedingt das sind, was man vermutlich auf so einer Insel erwarten würde, sind wir nun gespannt, was uns bei den Stränden erwartet.

Und wir werden nicht enttäuscht. Badestrände, wie man sie sich gemeinhin so vorstellt, gibt es hier nicht. Obwohl einige Strände definitiv das Potential dafür hätten.

Die Strände hier sind eher so etwas wie kleine Fischerhäfen.

Am manchen Stränden gibt es aber auch Restaurants.

Die meisten sind jedoch geschlossen, was nicht sehr verwunderlich ist, schließlich sind wir die einzigen Touristen weit und breit.

Dennoch finden wir ein geöffnetes Restaurant, bei dem es neben Tischen sogar Hängematten gibt.

Das nutzen wir natürlich gleich aus. Wir legen uns in diese Hängematten und bestellen uns ein Bier.

Ein sehr entspannter Strandtag.

Zumindest bis unzählige Familienmitglieder der Restaurantbesitzerin eintrudeln und die Tische und Hängematten um uns herum belegen. Die herumtobenden Kinder und die unzähligen laut quäkenden Handys der Erwachsenen vertreiben uns dann leider.

Die Aktivitäten

Uns ist nicht bekannt, dass es irgendwelche Aktivitäten gibt, die man hier auf der Insel machen könnte, außer vielleicht, den bewaldeten Vulkan hinauf zu gehen.

Aufgrund der Hitze lassen wir das aber erstmal. An einem bewölkten Tag dehnen wir jedoch unseren Spaziergang so weit aus, dass wir die Insel einmal umrunden.

Über weite Strecken hinweg ist hier schlichtweg nichts.

Aber immer wieder kommen wir an einzelnen Wohnhütten oder kleinen Siedlungen vorbei.

Je weiter wir uns vom Hauptort Amapala entfernen, um so abgeschiedener wird es. Auf der gegenüberliegenden Inselseite kommen wohl nicht allzu häufig ausländischen Touristen vorbei: Mehrmals passiert es, dass Kinder verängstigt in die Häuser gehen, sobald sie uns erblicken.

Wir setzen dennoch unsere Umrundung fort und hoffen, dass wir hier niemanden durch unsere Anwesenheit allzu sehr erschrecken.

Land:Honduras
Ort:Amapala (Isla del Tigre)
Reisedatum:11.11.2025 - 16.11.2025
Autor:Manuel Sterk
Veröffentlicht:17.11.2025
Leser bisher:38

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Nicht so toll
Isabella Scholz
Klingt nach einer Oase der Ruhe👍
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